Zur möglichen schweizweit geplanten Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten
Die Schweiz auf dem Weg zur 24-Stunden-Gesellschaft? Heute wurde bekannt, dass der Bundesrat, entgegen seiner früheren Haltung, darauf hinarbeiten will, schweizweit die Ladenöffnungszeiten zu lockern. Ein falscher Weg, um dem stotternden Detailhandel wieder Impulse zu verleihen. Und auch das Argument einer Vermehrung von Arbeitsplätzen sticht nicht. Das Vorhaben muss von Anfang an bekämpft werden.
Der Bundesrat wünscht dem schweizerischen Detailhandel eine bessere Zukunft. Dahingehend jedenfalls ist zu deuten, was heute aus dem Bundeshaus an die Öffentlichkeit drang. Demnach sollen die Ladenöffnungszeiten in der ganzen Schweiz abends bis 20 Uhr und Samstags bis 19 Uhr möglich sein.
Etwas befremdlich muten die ersten Pro-Statements an. Da ist etwa die Rede von einem Eindämmen des Einkaufstourismus ins benachbarte Ausland, weil dort eben schon längst liberalere Öffnungszeiten gelten würden. Nur: Ist dem wirklich so? Wohl kaum. Der wirkliche Grund für das «Einkaufserlebnis» jenseits der Grenze liegt doch wohl eher in den Preisunterschieden. Fährt Familie Meier aus dem Aargau einmal pro Monat für den Grosseinkauf ins nahe Deutschland (vielleicht noch mit einem geliehenen Auto), dann rechnet sich das. Das Argument mit den verlängerten Einkaufsmöglichkeiten ist da bestenfalls ein angenehmer Nebeneffekt.
Nein: Wir brauchen diese vorgeschobene Liberalisierung nicht. Und deren Effekt hat durchaus das Potential, elendiglich als Rohrkrepierer zu enden. So gelten in der Stadt Basel schon länger Öffnungszeiten bis 20, resp. 18 Uhr. Doch nur wenige Läden machen mit. Denn die Resonanz des Publikums war in dieser Zeit mehr als dürftig.
Und so muss die zentrale Frage sein: Was ist mit den Arbeitnehmenden? Da gibt es nur eine Antwort: Sie sind die Leidtragenden. Denn sie werden einer Mehrbelastung ausgesetzt. Arbeitszeiten werden umverteilt oder ausgedehnt. Die Löhne werden nicht angehoben.
Und wer jetzt mit dem Argument kommt, die Liberalisierung schaffe mehr Arbeitsplätze, ist auf dem Holzweg. Neueinstellungen würden ja wiederum einen vermeintlichen Gewinn schmälern. Und wenn diese «Abendverkäufe» derart wenig Publikum anziehen, liegt eine Ausweitung des Stellenangebots ohnehin nicht drin.
Deshalb gilt: Keine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten! Es ist nun die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) und der Gewerkschaften, den Kampf gegen diese weiteren Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen für das Verkaufspersonal aufzunehmen; mit Nachdruck und dem unbedingten Willen, den Status quo zu halten. Denn nur so können sie verlorenes Vertrauen wieder zurück gewinnen.