Gemalto werkelt an einer teilvirtualisierten SIM Karte für das nächste iPhone. Ziel: noch mehr Kontrolle für Apple. Und die iPhone Käufer werden es billigend zur Kenntniss nehmen.

Apple und gemalto machen gemeinsame Sache
Apple und gemalto machen gemeinsame Sache

Die neusten Gerüchte die sich um Apple ranken, sind für mich als Telekommensch ein Schock der seinesgleichen sucht. Die Gerüchte besagen, dass der weltweit grösste SIM – Kartenhersteller „Gemalto“ an einer neuartigen SIM Karte bastelt. Hauptfeature dieser Karte ist es, das gewisse Providerabhängige Details nicht mehr fest in den Speicherchip der Karte gebrannt werden, sondern überschreibbar sind.
Die SIM Karte würde dann quasi aus zwei Teilen bestehen. Einem fest einprogrammierten Teil, der die Grundfunktionen der SIM Karte sicherstellt, sowie eine Kontrolle über den zweiten Teil bereitstellt. Der zweite Teil der Karte, sagen wir dem mal der Flash Speicher, nimmt dann die durch Gemalto bereitgestellten Netzwerkinformationen auf. Das wäre dann die IMSI (die SIM Kartennummer) welche vom Provider verteilt wird.
Was heisst das? Du kaufst ein iPhone 5, gehst damit nach Hause, suchst dir deinen Provider aus, steckst das iPhone an den PC, öffnest iTunes, wählst deinen Anbieter aus und bestätigst den Vertrag. Schwupps, schon funkt dein iPhone auf dem gewünschten Netzwerk. So die Theorie.
Das ganze hat Vor und Nachteile. Die Vorteile sind, das Apple dem Kunden ein weiteres Argument für das iPhone liefert; volle Flexibilität, kein SIM Karten wechseln bei Providerwechsel, etc.
Gemalto selbst taucht bei dem ganzen Rösslispiel als neues Bindeglied und potentieller europäischer Monopolist auf, ist aber am Ende nichts anderes als der Handlanger von Apple der im Vergleich zum Nutzen den Apple davonträgt, ein lächerliches Geld für seine Dienste erhalten wird. Sollte diese SIM wie in den Gerüchten beschrieben nämlich bei allen Europäischen (Schweiz?) Anbietern kommen, würde nur Gemalto die Schnittstelle bereitstellen um die iPhones auf einen Provider einzustellen. Dies ist der Fall, weil Gemalto schon jetzt quasi – Monopolist im SIM Karten – Handel ist. Aber dieser Umstand kann dem Enduser eigentlich schnurz sein, da es ihn kaum interessiert, welche Firma seine SIM Karte produziert und provisioniert.
Die Nachteile überwiegen aber deutlich. Das einzige was Apple will, und das sieht man auch an den Mobilfunk Providern, wie diese von Apple in die Mangel genommen werden. Apple schreibt nicht nur den Kunden vor, was sie auf dem Gerät dürfen und was nicht, sondern sagt auch den Mobilanbietern wann sie welche Werbung machen dürfen, wie diese auszusehen hat und wieviel der Anbieter dafür zahlt und wieviel Apple übernimmt. Und Apple kann dies machen, weil die Mobilanbieter das iPhone brauchen. Ansonsten, haben sie ein Problem: die Kunden laufen ihnen in Scharen davon. Apple schaffte es, im Konsumenten ein Bedürfnis zu wecken welches wiederum die Provider zwingt, die einer Erpressung gleichkommenden Verträge mit Apple zu unterschreiben.
Nun scheint Steve Jobs einen Schritt weiter zu gehen und beginnt auch beim sogenannten Provisionierungsprozess seine Finger reinzustecken. Ziel: erlangen der Kontrolle von der Herstellung des Gerätes bis hin zum einzelnen Telefongespräch.
Fraglich bleibt, ob die iPhone Käufer nachwievor eine derart, ja schon fast dämliche Kadavertreue an den Tag legen werden, und Apple auch diesen Anfall von Kontrollwahn billigen werden. Hauptsache, man hat das Gerät mit dem (zugegeben) coolen Design und dem angebissenen Apfel auf der Rückseite. Who gives a shit about privacy. Die Leute verdummen zusehends. Man kauft ein iPhone nicht, weil man die Funktionen liebt. Dies ist ein sekundäres Argument und von dieser Meinung lasse ich mich auch nicht abbringen. Es ist primär ein Must-Have Produkt, nur gibt das kaum ein Käufer zu und schiebt deshalb das „Feature – Argument“ vor. Also ein „ich will auch“ Gefühl seitens der Leute welche sich das Gerät anschaffen. Von mir aus gesehen ist eine moderne Form der Abhängigkeit, ja, gar einer Droge gleichzusetzen und Apple fungiert hier als Drogendealer welcher es versteht, seine Kunden mit immer neuem Stoff in eine immer stärkere Abhängigkeit zu bringen.
Ein früherer Chef von mir hat mal einen sehr weisen Spruch gesagt, welchen ich bis Heute nicht vergessen habe und bereits oft zitiert habe und auch bei dieser Gelegenheit hier wiedergeben möchte:

Man darf mit der Faulheit der Leute Geld machen, nicht aber mit deren Dummheit.

Letzteres ist genau das, was Apple macht. Mit der Dummheit der Menschen ein Vermögen scheffeln und dies den abgezockten noch als Feature verkaufen.
Zum Schluss frage ich mich hier: Wo bleiben die Konsumentenschützer? Wieso berichtet ein Kassensturz nicht einmal auch über diese Schweinerei? Sind die Damen und Herren beim Kassensturz, beim Beobachter oder beim Saldo auch schon in den Fängen von Apple gefangen?