Windows und ich haben eine wirklich schwere Beziehung hinter uns. Meine erste Berührungspunkte mit Computern war bereits mit Windows, damals noch mit Windows 3.11. Windows 10 habe ich vorher noch nie genutzt.

Mein weiterer Werdegang war dann Windows 98SE, Windows Millenium und dann Windows XP. Das war dann auch für eine längere Zeit mein letztes Windows. Danach kamen meine ersten Linux Experimente – erst openSuse, dann Debian und schlussendlich Ubuntu.

In den letzten Jahren habe ich nur mit OS X und Linux gearbeitet. Das ist auch meinem Beruf als Web-Entwickler geschuldet. Lange war es nicht möglich (jedenfalls nicht ohne erheblichen Zusatzaufwand) mit Windows 10 mit SSH, Node, Docker, etc zu arbeiten. Als würde man einen Schraubenzieher brauche und Microsoft gibt einem nur einen Hammer.

Doch Windows 10 hat sich weiterentwickelt, rund alle 6 Monate erscheint ein grosses Update mit neuen Funktionen. Nachdem sogar Microsoft Mitarbeiter die eigenen Microsoft Azure Produkte nicht mehr mit Windows verwalten konnten, sondern auf Linux oder OS X gewechselt sind – und dies bei Azure-Kunden sogar empfohlen haben – wurde Ihnen das Problem offenbar (endlich!) auch bewusst.

In den letzten paar Versionen ist viel passiert. SSH, wird nun nativ direkt von Windows 10 unterstützt. Dank der Windows PowerShell (die übrigens auch für OS X und Linux verfügbar ist) gibt nun endlich eine brauchbare Shell mit der man problemlos mit SSH, NodeJS, etc arbeiten kann.

Der grösste Clou ist allerdings das Windows Subsystem für Linux (WSL). Mit WSL kann man nun nativ (ohne Virtualisierung) Linux Programme ausführen – und das funktioniert wirklich hervorragend! Bei mir läuft ein Ubuntu 20.04 mit WSL2 – damit funktioniert nun auch Docker einwandfrei – und ich habe alle Werkzeuge die ich brauche.

Windows 10 Terminal mit laufendem Ubuntu 20.04 (WSL)
Es wirkt irgendwie surreal, direkt in Windows 10 mit einem Ubuntu zu arbeiten.

Seit rund 10 Wochen bin ich nun mit Windows 10 unterwegs und hatte nie Probleme. Alles was ich brauchte funktionierte auf Anhieb. Das ich ein Ubuntu Linux direkt über den Microsoft Store installieren kann ist kaum vorstellbar. Wenn man bedenkt, dass vor rund 20 Jahren Linux von Microsoft als „Krebsgeschwür“ bezeichnet wurde – stehen wir heute vor einem Punkt der eigentlich immer unvorstellbar war.

Jetzt wo Apple mit seinen Macs einen Prozessor-Architektur-Wechsel anbahnt, ist Windows 10 rechtzeitig eine gute Alternative. Im Gegensatz zu Linux hat man auch auf Windows 10 alle Programme die man braucht (z.B. Adobe CC oder Microsoft Office).

Docker läuft dank WSL 2 nativ auf Windows 10
Auch Docker läuft direkt im Windows Terminal nativ auf Windows 10

Baustellen in Windows 10

Ich bin von Windows 10 in seiner heutigen Form wirklich begeistert. Das System läuft stabil und ist mir während dem kompletten Testzeitraum nie abgestürzt.

Was etwas nervend ist sind die Updates. Ich bin kein Betriebsystem Entwickler und sehe da auch wenig hinter die Kulissen. Aber sowohl OS X wie auch alle Linux-Distributionen können Updates besser. Selbst sehr kleine Updates brauchen bei Windows 10 für die Installation eine Ewigkeit. Ich sitze hier an einem extrem potenten Notebook und frage mich teilweise warum die Installation von einem 250kb Update 10-15 Minuten braucht. Hier besteht definitiv noch nachholbedarf.

Fazit und Ausblick

Ich bin mit dem Windows 10 Setup sehr zufrieden. Möchte hier auch nochmal betonen, wie grossartig und aktuell Microsoft ihre Dokumentationen hält.

Installation WSL – ein kurzer Blick in die Online-Dokumentation von WSL – aller direkt verständlich und problemlos umsetzbar. Und das zieht sich quer durch alle Windows 10 Funktionen – das ist Arbeit die man oft nicht wertschätzt – bis man sie braucht!

Alle Web-Entwickler die vor einer Neuanschaffung ihres Arbeitsgeräts sind, und bisher immer nur zu Apple geblickt habe, empfehle ich ihren Blickfeld zu erweitern. Microsoft kann mit Windows 10 definitiv mithalten und eine ebenbürtige Alternative bieten.